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  • Himmel und Hölle sind kein Ort: Wie du das Leiden beendest und den Zustand der Liebe wählst

    Im letzten Beitrag haben wir darüber gesprochen, dass unsere Realität nicht von äußeren Mauern abhängt, sondern von unserem Bewusstsein. Wir haben gesehen, wie Menschen im Gefängnis frei sein können und Menschen im Paradies gefangen.

    Das führt uns zu einer radikalen Frage, die unser gesamtes Weltbild auf den Kopf stellt: Wenn der Ort egal ist – was sind dann „Himmel“ und „Hölle“ wirklich?

    Wir sind mit dem Bild aufgewachsen, dass dies Orte sind, an die wir nach dem Tod „reisen“. Belohnung oder Bestrafung. Doch ich möchte dich einladen, diese alte Landkarte wegzuwerfen. Himmel und Hölle sind keine Postleitzahlen im Jenseits. Sie sind Bewusstseinszustände, die du jeden Tag betrittst und verlässt.

    Und das Beste daran: Du hast den Schlüssel in der Hand.

    Die Formel für Himmel und Hölle

    Lass uns das entmystifizieren. Es geht nicht um Teufel mit Dreizack oder Engel auf Wolken. Es geht um deinen inneren Widerstand.

    Was ist die Hölle?Hölle ist Leiden. Und Leiden entsteht immer durch Widerstand gegen das, was gerade ist.

    • Die Zutaten der Hölle sind: Angst, Ärger, Groll, Anhaftung, Verurteilung, Hass und Sorgen.

    • Wann immer du sagst: „Das darf nicht so sein! Ich will das anders!“, und innerlich dagegen ankämpfst, bist du in der Hölle – egal, ob du im Palast oder im Stau sitzt. In meinem Buch Die Essenz beschreibe ich die Hölle als „Zustand der absoluten Trennung von der Liebe“.

    Was ist der Himmel?Himmel ist Liebe. Und Liebe ist die radikale Annahme von dem, was gerade ist.

    • Die Zutaten des Himmels sind: Glück, Freude, Vertrauen, Mitgefühl, Freiheit und Verständnis.

    • Wann immer du sagst: „Ja. Ich nehme diesen Moment an. Ich vertraue.“, öffnet sich der Himmel in dir.

    Dein Urteil ist der Türsteher

    Nicht die Umstände entscheiden, wo du bist. Dein Urteil über die Umstände entscheidet es. Das klingt in der Theorie schön, aber hält es der Wirklichkeit stand?

    Schauen wir in die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Denn genau dort, wo das Licht am schwächsten ist, leuchtet die Macht des Bewusstseins am stärksten. Es gibt historische Zeugnisse von Menschen, die bewiesen haben, dass der Himmel kein Ort, sondern eine innere Haltung ist – selbst in der Hölle eines Konzentrationslagers.

    Der Beweis aus der Dunkelheit

    1. Viktor Frankl – Die letzte Freiheit

    Der Psychiater Viktor Frankl überlebte Auschwitz und Dachau. Er verlor fast seine gesamte Familie. Physisch war er am absoluten Nullpunkt. Doch inmitten von Hunger, Kälte und Brutalität machte er eine Entdeckung, die die Psychologie veränderte.Er beobachtete, dass manche Häftlinge zerbrachen, während andere – obwohl sie körperlich genauso schwach waren – durch die Baracken gingen und ihre letzten Brotkrumen mit denen teilten, die noch hungriger waren.Frankl erkannte: Die Nazis konnten ihnen alles nehmen – die Kleidung, die Haare, den Namen, die Würde. Aber eines konnten sie ihnen nicht nehmen: „Die letzte der menschlichen Freiheiten: Die Freiheit, seine Einstellung zu den Dingen zu wählen.“ Diese Menschen waren physisch in der Hölle. Aber ihr Bewusstsein hielten sie im Himmel – im Zustand der Nächstenliebe und der inneren Souveränität.

    2. Etty Hillesum – Der Himmel hinter Stacheldraht

    Eine andere Zeugin ist die junge Holländerin Etty Hillesum. In ihrem Tagebuch aus dem Lager Westerbork, kurz bevor sie in Auschwitz ermordet wurde, finden sich Sätze, die den Verstand sprengen.Während um sie herum Angst und Elend regierten, schrieb sie über die Schönheit eines Stückchens Himmel, das sie über dem Stacheldraht sah. Sie weigerte sich, zu hassen. Sie schrieb: „Der Himmel in mir ist genauso weit wie der Himmel über mir.“Sie entschied sich radikal gegen den Widerstand und für die Liebe zu allem, was ist. Sie schrieb: „Das Leben ist herrlich und groß, wir müssen später eine neue Welt bauen.“ Mitten im Grauen erschuf sie durch ihren Fokus ein Paradies in ihrem Herzen, das kein Wärter betreten oder zerstören konnte.

    Was das für uns bedeutet

    Diese Menschen waren keine Übermenschen. Sie waren Menschen wie du und ich, die eine Entscheidung getroffen haben. Sie haben bewiesen: Es sind nicht die Mauern. Es ist die Entscheidung, wie wir die Dinge sehen.

    Wenn Etty Hillesum im KZ den Himmel sehen konnte, dann können wir es auch im Montagsverkehr oder in einer schwierigen Beziehung.

    Ich habe diese Macht der Wahrnehmung selbst einmal auf sehr drastische Weise erlebt, als ich physisch an meine Grenzen kam…

    Ein Drahtseilakt auf La Palma

    Ich erinnere mich an einen Moment auf La Palma, der mir das Prinzip von Himmel und Hölle schlagartig verdeutlichte. Ich stand am Rand einer gewaltigen Schlucht vor einer Zipline. Es war nur ein dünnes Drahtseil, das von einem Berg zum anderen führte, und ich war nur mit einer einzigen Sicherung eingehakt.

    In den ersten Sekunden schlug mein inneres „Radio“ voll auf den Sender Angst an. Ich sah in den Abgrund und mein Urteil war vernichtend: „Das ist gefährlich. Nur eine Sicherung? Ich könnte sterben.“ Sofort war ich in der Hölle. Mein Körper verkrampfte, die Landschaft wirkte bedrohlich. Ich war gefangen im Tunnelblick der Panik.

    Doch ich wusste, dass ich hier nicht rauskomme, solange ich im Widerstand bin. Also griff ich ein. Zuerst vertiefte ich ganz bewusst meine Atmung. Ich lenkte meinen Fokus weg von der Schlucht und hin zu allem, was ich liebe und schön finde. Ich dachte an Dinge, die mir ein warmes Gefühl geben.

    Langsam beruhigte sich mein System. Ich konnte wieder klar denken. Und in dieser Klarheit stellte ich mir die entscheidende Frage: „Wie müsste ich diese Situation sehen, damit ich mega Lust darauf habe?“

    Ich traf eine bewusste Entscheidung. Ich begann, mir selbst eine neue Wahrheit einzureden. Ich sagte mir innerlich: „Ich entscheide jetzt, dass das hier Spaß macht. Ich rede mir ein, dass ich Geschwindigkeit und Höhe liebe. Ich erkläre das hier zu etwas, das ich schon immer erleben wollte und jetzt endlich darf.“

    Es war faszinierend. Durch diese bewusste Neudefinition kippte meine Wahrnehmung. Dasselbe Seil, derselbe Abgrund – aber plötzlich sah es nicht mehr gefährlich aus. Es sah nach Spaß aus! Die Angst wich, und ich konnte die Fahrt tatsächlich genießen.

    Die „Wenn-Dann“-Falle des Paradieses

    Warum fällt uns dieser Wechsel im Alltag so schwer? Weil wir konditioniert sind, das Paradies in die Zukunft zu verschieben.

    Wir leben nach dem Prinzip: „Wenn ich erst im Urlaub bin, dann bin ich im Paradies.“ Oder: „Wenn ich den Partner habe, dann fühle ich Liebe.“ Das ist ein Trugschluss. Wenn wir unser Glück von Umständen abhängig machen, die noch nicht da sind (Zukunft), verpassen wir das Einzige, was wir haben: Das Jetzt.

    Denk mal nach: Wenn du jetzt die Augen schließt und an deinen schönsten Urlaub denkst – spürst du dann Freude? Ja. Bist du dort? Nein. Das beweist: Das Gefühl entsteht IN DIR. Es ist eine chemische und energetische Reaktion in deinem Körper, ausgelöst durch deinen Fokus. Du brauchst den Strand nicht, um das Strand-Gefühl zu erzeugen.

    Wir können unsere Existenz jetzt zum höchsten Wunsch erklären. Wir können jetzt entscheiden, dankbar zu sein für den Atem, für den Kaffee, für das Sonnenlicht. In dem Moment bist du im Himmel. Sofort. Ohne Wartezeit.

    Himmel und Hölle: Die Geschichte mit der Suppe

    Diese Erkenntnis ist so zentral, dass ich sie in vielen meiner Bücher beschreibe – im Buch „Der unsichere Magier in dir“ und in „Leer im Herzen, voll im Kopf“. Es gibt eine alte Legende, die den Unterschied zwischen diesen zwei Zuständen perfekt auf den Punkt bringt. 

    „Ein Mann durfte die Hölle besuchen. Er sah einen Saal mit einem riesigen Topf köstlicher Suppe. Aber die Menschen waren abgemagert, blass und verzweifelt. Jeder hatte einen Löffel, der zwei Meter lang war. Sie konnten schöpfen, aber sie konnten den Löffel nicht zum eigenen Mund führen. Sie verhungerten vor vollen Töpfen, weil jeder nur versuchte, sich selbst zu füttern.

    Dann besuchte er den Himmel. Derselbe Saal, derselbe Topf, dieselben langen Löffel. Aber hier waren alle satt und lachten. Warum? Ganz einfach: Sie fütterten sich gegenseitig.“

    Hier siehst du es wieder: Die Umstände (der Topf, die Löffel) sind identisch.

    • Hölle entsteht durch Egoismus, Trennung und „Ich will haben“ (Widerstand).

    • Himmel entsteht durch Fürsorge, Verbindung und Dienen (Liebe).

    Erschaffe das Paradies im Außen

    Das Geheimnis ist: Es funktioniert von innen nach außen. Wenn du aufhörst, im Widerstand zu sein, und anfängst, das Jetzt anzunehmen (wie ich an der Zipline), betrittst du den inneren Himmel. Und wenn du im inneren Himmel bist, handelst du automatisch aus Liebe. Du wirst freundlicher, kreativer, hilfsbereiter (wie die Menschen mit den langen Löffeln, die andere füttern).

    Und dadurch beginnst du, das Paradies auch im Außen sichtbar zu machen.

    Du musst nicht sterben, um in den Himmel zu kommen. Du musst nur aufhören, gegen das Jetzt zu kämpfen.

    Willst du wissen, wie du diesen Widerstand dauerhaft auflöst?

    In meinem Buch „Die Essenz – Die reine Lehre Jesu“ zeige ich dir, wie du die alten Konditionierungen von Schuld und Angst ablegst und den Zustand der Liebe zu deinem neuen Zuhause machst.

    „Die Hölle ist kein Ort, an den Gott dich schickt […]. Hölle ist ein Zustand. Aber die Tür der Hölle ist von innen verschlossen. Du kannst sie jederzeit öffnen und herauskommen.“

    Ein Experiment für den nächsten Beitrag

    Vielleicht sagst du jetzt: „Okay Markus, ich habe verstanden, dass es eine Entscheidung ist. Aber wie mache ich das konkret, wenn der Alltag mich überrollt? Wie komme ich zurück in die Liebe, wenn ich gerade wütend bin?“

    Im nächsten Beitrag werde ich dir eine Übung zeigen, die ich neulich mit einem Freund gemacht habe. Es ist kein Zaubertrick, der auf Knopfdruck alles löst, aber es ist eine Methode, die sich wunderbar leicht in den Alltag integrieren lässt.

    Sie hilft dir, Schritt für Schritt wieder in die Verbindung zu kommen. Du wirst überrascht sein, wie nah das Paradies wirklich ist, wenn wir uns erlauben, die Tür wieder aufzuschließen.